Am einfachsten beginnt ein Gespräch über Medien mit Interesse statt mit einem Vorwurf. Was spielt das Kind gerade, was schaut es, was hört es, mit wem schreibt es? Die Frage „Was ist daran spannend?“ öffnet mehr als „Was machst du schon wieder am Bildschirm?“. Es geht nicht darum, alles zu wissen. Es geht darum, dass Gespräche über Medien zum Alltag gehören und nicht nur dann stattfinden, wenn etwas schiefgegangen ist.

Dieser Text handelt von Familien mit Kindern im Schulalter. Für Babys und Kleinkinder braucht es andere Beratung, die sich nicht nebenbei aus diesen Absprachen ableiten lässt.

Wenn du selbst etwas anbieten möchtest, das ohne Bildschirm auskommt, ist Kindern ohne Aufführungsdruck vorlesen ein Vorschlag, der sich jederzeit wiederholen lässt und nicht nach Verbot klingt.

Mehr als die Bildschirmzeit

Eine Uhrzeit allein regelt wenig. Zwei Kinder können eine Stunde am Bildschirm verbringen: Das eine sieht eine Folge einer Serie, das andere klickt sich durch Werbung und gibt dabei Geld aus. Deshalb gehören mehrere Punkte auf dasselbe Blatt: Inhalte, Geräte, Orte und Kosten.

Konkret heißt das: Welche Spiele und Filme sind in Ordnung? Welche Geräte dürfen benutzt werden, und wo liegen sie nachts? Wird am Esstisch oder im Zimmer geschaut? Wer bezahlt, wenn im Spiel etwas gekauft werden soll, und was passiert bei Downloads? Auch Konten und Zugänge gehören dazu, weil Passwörter und Zugänge bewusst ordnen in einer Familie bedeutet, dass nicht alle dasselbe Passwort verwenden und dass es einen Weg zurück gibt, wenn ein Gerät verloren geht oder ein Zugang nicht mehr funktioniert.

Die Erwachsenen stehen mit auf dem Blatt

Eine Vereinbarung, die nur für Kinder gilt, wird unglaubwürdig, sobald ein Erwachsener am Esstisch Nachrichten liest. Deshalb gehört die eigene Nutzung mit in die Liste: das Handy beim Essen, das Fotografieren, das Weiterleiten von Nachrichten.

Vereinbarung für die Familie mit Zeilen für Zeiten, Inhalte, Käufe und Fotos

Ein Blatt mit offenen Feldern. Die Vereinbarung wird gemeinsam ausgefüllt und zu einem verabredeten Termin überprüft.

  • Zeiten: Wann ist ein Gerät in Ordnung, wann nicht? Getrennt nach Wochentag und Wochenende.
  • Orte: Wo wird ein Gerät benutzt und wo bleibt es liegen? Auch der Esstisch steht auf diesem Blatt.
  • Inhalte: Was ist abgesprochen, was ist offen, was wird zusammen angesehen?
  • Kosten: Wer entscheidet über Käufe, Abos und Käufe innerhalb einer Anwendung?
  • Bilder: Wer darf Bilder von wem weitergeben? Auch Erwachsene stehen in dieser Zeile.
  • Fragen: Bei welchen Nachrichten darf ein Kind jederzeit Hilfe holen, ohne dass es Ärger gibt?
  • Erwachsene: Welche eigene Gewohnheit wird im selben Zeitraum geändert?
  • Prüftermin: Wann wird das Blatt gemeinsam angesehen und geändert?

Eine unterschriebene Vereinbarung verhindert keinen Streit. Sie ersetzt aber die Verhandlung am Abend, wenn alle müde sind.

Eine druckbare Liste mit freiem Feld für die eigene Absprache und einem Termin zum Nachbesprechen.

Beim Thema Fotos lohnt eine eigene Zeile. Kinderbilder werden oft geteilt, bevor die Abgebildeten etwas dazu sagen können, und später lassen sie sich kaum zurückholen. Was im Album bleibt, was an Verwandte geht und was privat bleibt, lässt sich besprechen, wenn ohnehin alte Familienfotos ordnen ansteht.

Auch bei weitergeleiteten Behauptungen hilft eine gemeinsame Linie. Wer in der Familiengruppe eine Gesundheitsnachricht weiterschickt, kann vorher Gesundheitsinformationen im Netz prüfen und damit zeigen, dass Nachfragen nicht misstrauisch wirkt, sondern normal ist.

Sätze, die man wirklich sagen kann

Regeln halten länger, wenn sie in Sätzen stehen, die im Alltag aussprechbar sind. Ein paar Beispiele, die sich abwandeln lassen:

  • „Wir essen zusammen, und die Handys bleiben in der Küche.“
  • „Bevor du etwas kaufst, fragst du, und wir schauen es zusammen an.“
  • „Wenn dir etwas unangenehm war, sagst du es mir, und ich werde nicht laut.“
  • „Am Sonntag schauen wir, ob die Regeln noch passen.“

Ein unterschriebenes Blatt verhindert keinen Streit, und es verhindert keine Ausnahme. Es ist ein Rahmen, der immer wieder nachjustiert wird. Begleitung kostet Zeit, und es hilft, sie Alltagsaufgaben gemeinsam aufteilen statt sie stillschweigend einer Person zu überlassen. klicksafe und Internet-ABC stellen dafür einen Mediennutzungsvertrag zum Ausdrucken bereit, der ähnliche Punkte sammelt. Wer lieber eine eigene Liste führt, kann sich an diesen Feldern orientieren.

Regeln verändern sich mit dem Kind

Was am Anfang der Schulzeit gepasst hat, passt ein paar Jahre später nicht mehr. Deshalb gehört ein Prüftermin in die Vereinbarung, am besten mit Datum. Technischer Jugendschutz kann unterstützen. Er ersetzt keine Absprache, weil kein Programm erklären kann, warum eine Regel sinnvoll ist.

Wenn etwas unangenehm wird

Kinder verschweigen unangenehme Dinge oft, weil sie Ärger fürchten. Deshalb ist die wichtigste Zeile in jeder Vereinbarung die über den Fehler: Wer etwas gesehen, geschrieben oder gekauft hat, was nicht in Ordnung war, darf damit kommen, und es gibt zuerst Hilfe und erst danach ein Gespräch über die Folgen. Diese Reihenfolge sollte vorher ausgesprochen werden und nicht erst dann, wenn es passiert ist.

Wer eine verdächtige Nachricht bekommt, muss sich nicht schämen. Auch Erwachsene tappen in solche Nachrichten, und es hilft, gemeinsam verdächtige Nachrichten prüfen statt Vorwürfe zu verteilen. Für Fragen rund um Medien und Kinder gibt es die Informationen von klicksafe und die Beratungsstellen vor Ort, deren Erreichbarkeit sich telefonisch klären lässt, weil sich Kontakte und Sprechzeiten ändern.

Die erste Fassung der Vereinbarung darf kurz sein. Wichtiger als ein vollständiges Blatt ist ein Datum, an dem alle es wieder hervorholen.