Auf dem Bildschirm steht für Samstag eine Regenwahrscheinlichkeit von 60 Prozent. Der Ausflug ist damit weder abgesagt noch sicher. Die Zahl beantwortet eine engere Frage, als die meisten aus ihr herauslesen. Wer diese Frage kennt, kann mit ihr planen, statt gegen sie anzukämpfen.
Was eine Prozentangabe beantwortet
Eine Niederschlagswahrscheinlichkeit gilt für einen Ort und einen Zeitraum. Sie sagt, für wie wahrscheinlich es der Anbieter hält, dass dort in diesem Zeitraum Niederschlag fällt. Sie ist das Ergebnis einer Modellrechnung und keine Zusage. Aus einer hohen Zahl folgt kein sicherer Regen, aus einer niedrigen kein sicherer trockener Tag.
Achte auf die zweite Hälfte der Angabe: Wofür gilt sie, und von wann bis wann? Eine Wahrscheinlichkeit für zwei Nachmittagsstunden beantwortet eine andere Frage als eine Tagesangabe für eine ganze Region. Wer nur die Prozentzahl liest und den Zeitraum überliest, plant mit einem halben Satz.
Dieselbe Vorsicht lohnt bei jeder Wahrscheinlichkeit. Gesundheitsinformationen im Netz prüfen heißt unter anderem, relative und absolute Angaben auseinanderzuhalten und aus einer Prozentzahl kein Ergebnis zu machen. Beim Wetter ist es nicht anders.
Sechzig Prozent wovon, und in welcher Zeit?
Sechzig Prozent heißt nicht, dass es sechzig Prozent des Tages regnet. Es heißt auch nicht, dass es in sechzig Prozent der Landkarte regnet. Beide Lesarten sind verbreitet und beide falsch. Die Zahl gehört zu dem Ort und dem Zeitraum, für die sie ausgegeben wurde, und zu nichts anderem.
Zehn Felder, sechs markiert
Eine Prozentangabe im Wetterbericht sagt, mit welcher Wahrscheinlichkeit an einem Ort im Vorhersagezeitraum Niederschlag erwartet wird. Sie sagt nicht, wie lange es regnet und wie stark.
Was 60 Prozent bedeutet
In vergleichbaren Wetterlagen fiel an vergleichbaren Orten in sechs von zehn Fällen Niederschlag. Es ist eine Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis, keine Zeitangabe.
Was 60 Prozent nicht bedeutet
Es bedeutet nicht, dass es 60 Prozent der Zeit regnet, und nicht, dass 60 Prozent der Fläche betroffen sind. Ebenso wenig, dass es bei dir nicht regnet.
Die Regenmenge
Die erwartete Menge wird getrennt angegeben, meist in Litern pro Quadratmeter oder Millimetern. Erst diese Zahl sagt, ob eine kurze Jacke reicht.
Die Zeitangabe
Nützlich ist das Zeitfenster. Steht die höchste Wahrscheinlichkeit am Nachmittag, lässt sich die Rückfahrt davor legen.
Für einen Ausflug zählt die Kombination aus Wahrscheinlichkeit, Menge und Zeitfenster. Ein einzelner Prozentwert ist keine Entscheidungsgrundlage, aber ein guter Anlass, eine frühere Rückfahrt einzuplanen.
Eine bildliche Denkhilfe zur Prozentangabe, keine Vorhersage für einen Ort oder einen Tag.
Der Deutsche Wetterdienst beschreibt in einer Dokumentation zu Niederschlagswahrscheinlichkeiten, dass die Angabe weder den regnerischen Zeitanteil noch die Niederschlagsmenge festlegt. Hinter einer Zahl von 60 Prozent kann ein kurzer kräftiger Schauer stehen oder ein langer gleichmäßiger Regen. Für einen Tagesplan sind das zwei verschiedene Tage.
Die Dokumentation erklärt ein bestimmtes Produkt des Wetterdienstes mit eigenen Schwellenwerten. Solche Schwellen lassen sich nicht ungeprüft auf jede Wetter-App übertragen. Wenn du wissen willst, was eine App mit ihrer Prozentzahl meint, lies die Erklärung des jeweiligen Anbieters.
Vier Angaben, vier verschiedene Fragen:
| Angabe | Beantwortet | Beantwortet nicht |
|---|---|---|
| Niederschlagswahrscheinlichkeit | ob am genannten Ort im genannten Zeitraum Niederschlag zu erwarten ist | wie lange es regnet und wie viel fällt |
| Niederschlagsmenge | wie viel Niederschlag in einem Zeitraum zusammenkommt | wann innerhalb des Zeitraums er fällt |
| Stundenverlauf | in welchen Stunden es wahrscheinlich nass wird | ob der Weg danach begehbar ist |
| Amtliche Warnung | ob für die Region eine Gefahrenlage gilt | ob der eigene Weg davon betroffen ist |
Menge, Verlauf und Wind getrennt lesen
Menge und Verlauf gehören zusammen und stehen doch getrennt im Bericht. Ein Millimeter Regen in einer Stunde ist etwas anderes als ein Millimeter über zwölf Stunden, und fünf Millimeter an einem Nachmittag verändern einen Weg stärker als ein Nieselregen über den ganzen Tag. Deshalb lohnt die Stundenansicht mehr als der Tageswert.
Wind und Sicht stehen in keiner Prozentzahl. Wer Vögel mit Abstand beobachten will, plant keinen Regenschirm, sondern einen Zeitraum: Wind bewegt Zweige und Vögel, flache Sicht versteckt sie, und beides ist am frühen Morgen oft anders als am Nachmittag.
Nach längerem Regen ist auch der Boden ein anderer. Ein Waldweg wird weich, eine Wiese rutschig, ein Feldweg tief. Barrierearme Ausflüge genauer planen heißt deshalb, den Untergrund und die eigenen Anforderungen zusammenzubringen: Was nach drei trockenen Tagen geht, muss eine Woche später nicht gehen.
Eine Warnung ist kein Wettersymbol
Amtliche Warnungen stehen für eine Gefahrenlage, nicht für ungemütliches Wetter. Sie sind eine zusätzliche Information und gehören nicht in dieselbe Reihe wie das Symbol mit der Wolke. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht sie fortlaufend, und sie können sich im Lauf eines Tages ändern. Wenn du morgens eine Warnung liest und mittags losfährst, prüf sie vor dem Losfahren noch einmal.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nennt für Unwetter ein Verhalten, das sich zusammenfassen lässt: gefährdete Außenbereiche meiden, Wälder besonders. Wer bei einer solchen Lage einen Tagesausflug mit der Bahn planen will, verschiebt die Fahrt und prüft zusätzlich, ob das Ziel selbst betroffen ist.
Kürzen, verschieben, nach innen ausweichen
Aus den Angaben folgt kein Urteil, sondern eine Wahl zwischen drei Möglichkeiten. Kürzen: die halbe Strecke gehen und den Rückweg früher antreten. Verschieben: den Zeitraum nutzen, in dem der Stundenverlauf trocken bleibt. Ausweichen: ein Ziel wählen, das innen liegt.
Wer eine passende Radtour planen will, kann die Runde für einen unsicheren Tag von vornherein kürzer ansetzen und die Verlängerung als Option behandeln. Für einen verregneten Tag ist ein Innenziel die ruhigere Entscheidung, und sie lässt sich vorbereiten: das Wilhelm-Hack-Museum kennenlernen heißt in diesem Zusammenhang, Öffnungszeiten und Anreise vorher auf der Seite des Hauses nachzusehen und nicht auf gut Glück loszufahren.
Zehn Felder als Denkhilfe
Sechs von zehn Feldern markiert: So lässt sich die Zahl bildlich lesen, und ausdrücklich nicht als Vorhersage für einen Ort oder einen Tag. Eine solche Darstellung ersetzt auch keine Warnung, und sie sagt nichts darüber, wie ein Anbieter seine Wahrscheinlichkeit berechnet. Das steht in seinen eigenen Erklärungen.
Am Ende bleibt eine Zahl, die eine Frage beantwortet und drei weitere offen lässt. Wer weiß, welche das sind, entscheidet an einem unentschiedenen Tag besser als jemand, der nur auf das Symbol schaut.