Hinter dem Museum liegt ein Platz, der seit Jahren ein Garten ist. Auf dem Hans-Klüber-Platz begann 2012 das, was die Projektseite den hack-museumsgARTen nennt: ein Urban-Gardening-Projekt, das das Wilhelm-Hack-Museum gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt betreibt. Die Fläche war vorher versiegelt und, so steht es in der Selbstdarstellung, unbelebt. Wer das Wilhelm-Hack-Museum kennenlernen will, hat den Garten direkt hinter dem Haus, und wer den Garten sucht, stößt auf das Museum als Nachbarn. Das ist keine Randnotiz, sondern der Standort dieses Projekts: mitten in der Stadt, auf einer Fläche, die vorher nichts trug.
Wer über diesen Garten etwas wissen will, ist auf verschiedene Zeugnisse angewiesen, die unterschiedlich alt sind: die Selbstdarstellung des Projekts, ein Blog mit Berichten aus einzelnen Jahren, ein Magazinbericht und ein Eintrag in einer Preis-Datenbank. Daraus lässt sich eine Geschichte erzählen, aber kein Tageszustand ableiten. Dieser Text trennt deshalb beides: Was dokumentiert ist, steht als Geschichte da. Was heute gilt, steht als Frage da, die man vor einem Besuch klärt.
Kisten statt Boden
Pflanzen brauchen Boden, und eine versiegelte Fläche bietet keinen. Deshalb wächst der Garten in eigens gebauten Kisten und in recycelten Behältern, so beschreibt es das Projekt selbst. Das ist keine Notlösung, sondern die Bauweise des Ortes: Jedes Beet ist ein Behälter mit eigener Erde, eigener Entwässerung und eigener Vorgeschichte. Daraus folgt ein Punkt, den wir hier nicht auflösen: Eine Anleitung zum Nachbauen geben wir nicht. Wer gebrauchte Behälter, Fässer oder Paletten verwendet, muss wissen, was vorher darin gelagert wurde und wie das Material behandelt ist, und diese Frage lässt sich nicht am Küchentisch klären.
Wer erst herausfinden will, ob ihm Gärtnern überhaupt liegt, muss nicht mit einer Kiste anfangen. Kräuter auf Fensterbank und Balkon pflegen braucht weniger Fläche und weniger Absprachen und zeigt nach ein paar Wochen, ob man regelmäßig nach dem Wasser schaut. Der Garten hinter dem Museum ist die größere Ausgabe derselben Frage.
Wer mitmacht, und was das Projekt selbst erzählt
Nach eigener Darstellung beteiligen sich Einzelpersonen, Familien, Gruppen aus Kindertagesstätten, Schulen und sozialen Einrichtungen sowie Vereine. Eine Beetpatenschaft ist laut Projektseite kostenfrei. Das ist eine Selbstauskunft aus der laufenden Selbstdarstellung und kein Vertrag, den wir geprüft hätten. Aus der Beschreibung folgt außerdem, was eine Patenschaft hier nicht ist: kein umzäuntes Stück Land wie in einer Kleingartenanlage, sondern ein Beet, das einer Person oder einer Gruppe zugeordnet ist, während die Wege und der Rest des Platzes allen gehören. Wer sich daran gewöhnt, teilt die Fläche und die Entscheidungen darüber.
Fragen vor einer Beetpatenschaft
Öffnung, freies Beet, Wasser, Ferienvertretung und eine Ansprechperson klärst du am besten, bevor du die erste Pflanze einsetzt.
Die Seite erzählt auch, wie unterschiedlich die Beete belegt sind: Das Beet einer türkischen Familie liege neben dem Bibelgärtchen der evangelischen Stadtkirche, gegenüber wachse der Thai-Spinat einer chinesischen Mitgärtnerin. Solche Sätze sind Projektperspektive. Wir haben niemanden im Garten besucht, nicht mit Gärtnerinnen und Gärtnern gesprochen und keine Ernte gewogen; dieser Text gibt wieder, was das Projekt über sich schreibt.
Die ausführlichste öffentliche Beschreibung stammt vom Museum selbst. Auf seiner Projektseite stehen der Beginn 2012, der Standort auf dem Hans-Klüber-Platz, die Nutz- und Zierpflanzen in gebauten Kisten und recycelten Behältnissen und die kostenfreie Beetpatenschaft. Dort stehen auch die Auszeichnungen: 2020 ein Sonderpreis der UN-Dekade Biologische Vielfalt, 2023 der Brückenpreis des Landes Rheinland-Pfalz und 2024 der Landessieg in Rheinland-Pfalz beim Deutschen Nachbarschaftspreis. Für die Entstehungsgeschichte ist das brauchbar. Teilnehmerzahlen, Beetlisten und Termine einzelner Jahre gehören nicht in die Gegenwart, und wir ziehen sie nicht dorthin.
Wer mitmachen will, klärt zuerst den Umfang. mit kleiner Nachbarschaftshilfe anfangen ist auch hier die richtige Reihenfolge: erst fragen, was gebraucht wird, dann zusagen. Ein Satz, der sich am Telefon bewährt: „Ich habe im Monat zwei Stunden Zeit und würde gießen lernen, passt das hierher?“ Wer darauf keine Antwort bekommt, hat schon eine bekommen.
Pflege ist mehr als gießen
Ein Beet sieht nach einer Stunde Arbeit aus. Es ist aber eine Kette von kleinen Entscheidungen. Wer gießt im Juli, wenn es drei Wochen nicht regnet? Wer schaut in den Ferien nach? Wer entfernt, was krank aussieht, und wer entscheidet, was stehen bleibt? Wer eine Patenschaft übernimmt, übernimmt damit auch einen Zeitplan. Das Gießen ist die sichtbare Arbeit, das Mitdenken ist die unsichtbare, und nur die erste fällt auf. Solche Zuständigkeiten lassen sich Alltagsaufgaben gemeinsam aufteilen, und wenn die Absprache nur drei Zeilen auf einem Zettel umfasst. Ein ehrliches Nein vor der Saison ist brauchbarer als eine Patenschaft, die im August stillschweigend endet.
Kunst, Programm und eine Nominierung
Der Garten ist auch eine Bühne mit unregelmäßigem Spielplan. Der Projektblog dokumentiert Kunstaktionen und Installationen, die zeitweise dort standen, von Brunnen bis zu einem Windrad. Was davon heute noch zu sehen ist, sagt die Übersicht nicht, und wir behaupten es deshalb nicht. Für die Saison nennt die Selbstdarstellung ein Programm von April bis Oktober mit interkulturellen Festen, Konzerten und Kunstworkshops. Konkrete Termine stehen dort nicht, und wir erfinden keine.
Erwähnenswert ist eine Auszeichnung, die keine ist: Für den Deutschen Engagementpreis ist der hack-museumsgARTen 2025 nominiert gewesen. Eine Nominierung ist kein gewonnener Preis, und über die Wirkung des Gartens sagt sie nichts. Die Auszeichnungen, die das Projekt tatsächlich erhalten hat, stehen auf der Museumsseite und sind dort nachvollziehbar. Wer im organisierten Engagement sucht, findet über öffentliche Portale mehr als einen Eintrag. Wie sich ein passendes Ehrenamt in Ludwigshafen suchen lässt, beginnt jedenfalls mit der Organisation hinter einem Beet und nicht mit dem Beetplan.
Was vor einer Zusage zu klären ist
Zwei Selbstauskünfte stehen nebeneinander, und beide sind ernst zu nehmen. Der Projektblog schreibt, die Öffnung könne derzeit nicht gewährleistet werden. Die Museumsseite schreibt, interessierte Besucherinnen und Besucher mögen sich bitte im Foyer des Museums melden. Es gibt also kein Tor, das sicher offen ist, sondern einen Weg, der über einen Menschen am Empfang führt. Sechs Punkte gehören in diese Frage:
- Ist der Garten an dem Tag geöffnet, an dem ich kommen will, und wen erreiche ich dann?
- Gibt es ein freies Beet, eine Warteliste, und was kostet die Patenschaft tatsächlich?
- Woher kommt das Wasser, und wer gießt in den Ferien?
- Welche Arbeiten gehören zur Patenschaft, und welche ausdrücklich nicht?
- Wer erntet, was auf einem Beet wächst, das jemand anders angelegt hat? Ohne Zustimmung niemand.
- Was passiert im Winter, und was, wenn jemand aussteigt?
Und was der hack-museumsgARTen nicht ist: kein Park mit festen Zeiten, kein Ort, an dem man ohne Absprache ein Beet übernimmt, und keine Selbstbedienung für das, was in den Kisten wächst. Die Beete gehören Menschen, die sich um sie kümmern, und wer etwas davon möchte, fragt zuerst.
Für einen Besuch kommt das Wetter dazu. Wer den Wetterbericht für einen Ausflug lesen kann, plant einen Gartentag anders als einen Ausstellungstag, weil Regen die Arbeit im Beet verändert und nicht nur die Laune. Die Fragen aus dieser Liste taugen auch für Gemeinschaftsgärten in anderen Städten: Träger, Zugang, Wasser, Ansprechperson und die Bereitschaft, neue Leute aufzunehmen. Ein Garten, der niemanden sucht, ist kein schlechter Garten. Er ist voll.