Nehmen wir an, jemand will für ein Projekt eine Nähmaschine benutzen: Vorhänge kürzen, eine Tasche flicken, ein Kostüm ändern. Das Gerät wird ein paar Abende gebraucht und danach monatelang nicht. Für genau diesen Fall gibt es in Ludwigshafen die Bibliothek der Dinge im Ideenw3rk, dem Makerspace der Stadtbibliothek an der Bismarckstraße 44 bis 48. Statt zu kaufen, was selten läuft, wird es ausgeliehen.

Wer nur einen Knopf befestigen will, kann einen Knopf von Hand annähen und braucht dafür keine Maschine. Die Bibliothek der Dinge ist für das größere Vorhaben da, und nach einem Ausleihversuch weiß man besser, ob ein eigenes Gerät überhaupt in Frage kommt.

Ausleihen ist nicht dasselbe wie werkeln

Makerspace und Bibliothek der Dinge liegen im selben Haus und sind zwei verschiedene Angebote. Im Ideenw3rk stehen Geräte, die man vor Ort nach einer Einweisung benutzt. Die Bibliothek der Dinge funktioniert anders: Die Gegenstände werden mit nach Hause genommen, in einer Glasvitrine im dritten Obergeschoss gelagert und an der Infotheke herausgegeben. Wer eine Sache für den eigenen Küchentisch braucht, ist im Ausleihregal richtig. Wer eine Sache nur einmal ausprobieren will, ebenfalls.

Was im Katalog steht, und was er nicht verspricht

Nach Angaben der Betreiberin umfasst die Bibliothek der Dinge derzeit mehr als 108 Gegenstände, darunter eine E-Gitarre, eine Nähmaschine und ein Federballset. Die Zahl ändert sich, und verbindlich ist ohnehin der Katalog, weil dort steht, was gerade vorhanden und was entliehen ist. Ein Blick hinein lohnt vor der Fahrt doppelt, denn nicht jedes Gerät passt zu jedem Vorhaben. Eine Nähmaschine für Polsterstoffe ist eine andere als eine für feine Baumwolle, und wer zum ersten Mal an einer Maschine sitzt, wählt besser kein dickes Übungsstück. Für kreative Vorhaben ohne Gerät gilt derselbe Gedanke: Wer mit einem Bleistift zeichnen beginnen will, merkt nach zwei Abenden, ob ihm die Tätigkeit liegt, und kauft erst danach Material. Ausprobieren vor dem Kauf ist der ganze Sinn dieses Angebots.

Vor dem Leihen prüfen

Gültiger Ausweis, aktueller Katalogstand, passendes Gerät, vollständiges Zubehör und der Rückgabetermin an der Infotheke gehören auf die Liste, bevor du losgehst.

Was erwachsene Ausleihende mitbringen

Für die Ausleihe braucht es einen gültigen Benutzungsausweis der Stadtbibliothek Ludwigshafen oder eine Metropolcard. Die veröffentlichten Regeln sind an zwei Stellen nicht deckungsgleich: Eine Seite nennt ein Mindestalter von 18 Jahren, eine andere erlaubt Jugendlichen ab 16 die Ausleihe mit Einverständniserklärung der Eltern, und auch bei der Verlängerung weichen die Angaben voneinander ab. Deshalb handelt dieser Text von erwachsenen Ausleihenden, und alle übrigen Fälle klärt man vorher an der Infotheke oder am Telefon, statt sich auf eine ältere Fassung zu verlassen.

Beim Preis lohnt die Trennung von zwei Dingen. Für die Gegenstände selbst nennt die Betreiberin keine zusätzlichen Leihgebühren; davon unabhängig kostet der Benutzungsausweis Geld, und für eine Vormerkung kann eine Gebühr anfallen. „Kostenlos“ ist deshalb das falsche Wort. Wer ein einfaches Haushaltsbuch führen möchte, kann nach ein paar Monaten nachsehen, wie oft ein seltenes Gerät wirklich gebraucht wurde, und die Antwort in die nächste Anschaffung einbeziehen.

Zurückgeben heißt vorzeigen

Die Rückgabe läuft ausschließlich über die Infotheke im dritten Obergeschoss während der Öffnungszeiten; der Rückgabeautomat ist dafür nicht vorgesehen. Vor der Ausleihe wird die Vollständigkeit geprüft, bei der Rückgabe noch einmal, und wer einen Schaden bemerkt, meldet ihn sofort, statt selbst zu reparieren oder das Gerät wieder in die Vitrine zu stellen. Verunreinigte Gegenstände werden nicht angenommen. Nach den derzeit veröffentlichten Zeiten ist dienstags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet (Stand unserer Quellenprüfung: 14. August 2026). Feiertage und Ferien verschieben solche Zeiten, ein Blick auf die Seite vor der Fahrt gehört dazu.

Die Bibliothek ist mehr als eine Vitrine

Der Ausweis, den man für die Bibliothek der Dinge braucht, ist derselbe, mit dem man Bücher ausleiht. Wer ohnehin dort ist, kann passenden Lesestoff finden und die Gelegenheit für eine zweite Frage nutzen.

Ob es im Haus Lesekreise oder andere Treffen gibt, steht in keinem Katalog, und einen Buchclub ohne Leistungsdruck planen lässt sich nur mit Menschen, die man vorher gefunden hat. Die Infotheke ist dafür die richtige Anlaufstelle, nicht der Katalog.

Bibliothekskonto und Katalog laufen online und gehören damit zu den Zugängen, die man pfleglich behandelt. Wer Passwörter und Zugänge bewusst ordnen möchte, nimmt das Bibliothekskonto in die Liste auf, denn es hängt an einer Ausweisnummer und einer E-Mail-Adresse, und beides gehört nicht in eine offene Notiz auf dem Handy.

Dasselbe Prinzip, andere Regeln

Wer nicht in Ludwigshafen wohnt, muss nicht verzichten. Die Stadtbibliothek Mannheim betreibt mit der „Bib der Dinge“ ein vergleichbares Angebot in der Zentralbibliothek und in zwei Zweigstellen, mit eigenen Bedingungen: zwei Wochen Leihfrist mit zwei Verlängerungen, höchstens drei Dinge gleichzeitig, Mindestalter 18 Jahre und Rückgabe in der Bibliothek, in der ausgeliehen wurde. Die Nutzungsbedingungen der Stadt Mannheim tragen den Stand Juni 2026. Diese Fristen gelten in Mannheim und nicht in Ludwigshafen. Für alle anderen Städte gilt der einfachste Satz dieses Textes: Die eigene Bibliothek fragen, ob sie Vergleichbares hat. Die Auskunft kostet einen Anruf.